Die von Airbus betriebene „Weltraumdatenautobahn“ befindet sich seit anderthalb Jahren im Regelbetrieb. Dem europäischen Rüstungskonzern zufolge wurden in dieser Zeit 10.000 auf Lasern basierte Verbindungen aufgebaut. Die Übertragungen mit einer Geschwindigkeit von 1,8 Gbit/s seien zu beinahe 100 Prozent stabil gewesen und hätten mithilfe der Lasertechnologie mehr als 500 Terabyte Daten übermittelt. Laut Hughes Boulnois, dem Leiter des Programms, gehe die Übertragungskapazität der „Weltraumdatenautobahn“ jedoch „weit darüber hinaus“.
Für die „Weltraumdatenautobahn“ werden drei Satelliten des europäischen Datenrelaissystems (European Data Relay Satellite System, EDRS) in einer geostationären Umlaufbahn in 36.000 Kilometer Höhe installiert. Sie können über Distanzen von 80.000 Kilometern per Laser eine Verbindung zwischen tiefer fliegenden Beobachtungssatelliten oder Drohnen und einer Bodenstation herstellen. Damit können Informationen in nahezu Echtzeit an jeden Ort auf der Erde übermittelt werden. Ohne die „Weltraumdatenautobahn“ könnten die Daten erst nach einer weiteren Umrundung des jeweiligen Beobachtungssatelliten an Bodenstationen gefunkt werden. Die Laserverbindungen der EDRS-Kunden werden über ein Kontrollzentrum am Airbus-Standort Weilheim bei München hergestellt und überwacht.
Öffentliche Finanzierung, private Vermarktung
Der erste Relaissatellit EDRS‑A ist bereits positioniert und ermöglicht „eine Abdeckung von der amerikanischen Ostküste bis Indien“. Er soll täglich bis zu 40 Terabyte Daten übertragen können. Laut der Bundesregierung verzögert sich der Start eines zweiten Satelliten mit der Bezeichnung EDRS‑C wegen „ungeplanten technischen Herausforderungen“ auf Mai 2019. Airbus plant, die „Weltraumdatenautobahn“ später um einen dritten Satelliten EDRS‑D über der Region Asien-Pazifik zu erweitern.
Die milliardenschwere „Weltraumdatenautobahn“ wird als Public-Private-Partnership zwischen Airbus und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit hohen öffentlichen Summen finanziert. Das Gesamtsystem sollte ursprünglich 400 Millionen Euro kosten, der Betrag kletterte schließlich auf 520 Millionen Euro. Mehrere Länder beteiligen sich an der Finanzierung, darunter Deutschland, Italien, die Schweiz, Luxemburg, Schweden, Belgien und Großbritannien. Mit 182 Millionen Euro kommt der größte Beitrag von der Bundesregierung, die das Programm über ihre Beiträge für die ESA und das deutsche Raumfahrtprogramm fördert. Weitere Landesmittel stammen aus Bayern. Die Entwicklung der benötigten Laserterminals durch die Airbus-Tochter Tesat-Spacecom wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, einem öffentlichen Forschungszentrum der Bundesrepublik Deutschland, unterstützt.
„Weltraumdatenautobahn“ zur Überwachung des Mittelmeers
Alleiniger Verkäufer der EDRS-Dienste ist aber Airbus. Derzeit ist das europäische „Copernicus“-Programm der einzige Käufer von Laserverbindungen. Mithilfe mehrerer „Copernicus“-Dienste wird das Mittelmeer von der EU-Grenzagentur Frontex und der Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs überwacht. Seit mehreren Jahren nutzen die Agenturen Daten aus der Satellitenüberwachung, in diesem Jahr will Frontex das Mittelmeer mit Langstreckendrohnen der MALE-Klasse überwachen. Frontex nutzt die Informationen für die Operation „Themis“, mit der die Europäische Union Italien seit Februar bei der Kontrolle seiner südlichen Seegrenzen unterstützt.
Dem EDRS-Leiter zufolge ließe sich die Kundenzahl „beträchtlich erhöhen“. Ab 2019 soll das System auch Informationen der Internationalen Raumstation ISS übermitteln, ab 2020 senden die hochauflösenden „Pléiades-Neo“-Satelliten von Airbus ihre Daten über die „Weltraumdatenautobahn“. Mit den vier kommerziellen Optik- und Radarsatelliten erhöht sich die Zahl der bestehenden Airbus-Flotte auf 14 Erdbeobachtungssatelliten.
